____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Mauersegler
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Der Mauersegler (Apus apus) ist eine Vogelart aus der Familie der Segler. Sie Ă€hnelt den Schwalben, ist aber mit diesen nicht nĂ€her verwandt; die Ăhnlichkeiten beruhen auf konvergenter Evolution. Der Mauersegler ist ein Langstreckenzieher. Er hĂ€lt sich hauptsĂ€chlich von Anfang Mai bis Anfang August zur Brutzeit in Mitteleuropa auf. Seine Winterquartiere liegen in Afrika, vor allem sĂŒdlich des Ăquators.
Mauersegler sind extrem an ein Leben in der Luft angepasst. AuĂerhalb der Brutzeit halten sie sich fĂŒr etwa zehn Monate nahezu ohne Unterbrechung in der Luft auf.cite-ref-hedenstr-m2016-1-0[1]cite-ref-hbvaaawanderungen-2-0[2] Im Hochsommer sind die geselligen Vögel im Luftraum ĂŒber den StĂ€dten mit ihren schrillen Rufen sehr auffĂ€llig. Bei ihren Flugmanövern können sie im Sturzflug Geschwindigkeiten von mehr als 200 km/h erreichen.cite-ref-hbvaaaverhbewegung-3-0[3]
Contents
âą Mauser
âą Flug
âą Stimme
âą Verbreitung
âą Lebensraum
âą Wanderungen
âą Wetterflucht
âą Hungerstarre
âą Balz und Paarung
âą Gelege und Brut
âą Lebenserwartung
âą Feinde
âą Parasiten
âą Verhalten
âą Sozialverhalten
âą Komfortverhalten
âą Systematik
âą Legenden
âą Nisthilfen
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Aussehen und Merkmale
Die Gestalt ist schwalbenĂ€hnlich, jedoch ist der Mauersegler etwas gröĂer als die europĂ€ischen Schwalben. Die FlĂŒgel sind im Vergleich zum Körper lang, und ihre Sichelform ist im Gleitflug gut zu erkennen. Der Schwanz ist relativ kurz und gegabelt. MĂ€nnchen und Weibchen sind Ă€uĂerlich nicht zu unterscheiden. Das Gefieder ist ruĂ- bis brĂ€unlichschwarz mit Ausnahme des grauweiĂen Kehlflecks, der im Flug allerdings schwer zu erkennen ist.
Das Gesicht wirkt, von vorne gesehen, rundlich; die Augen sind relativ groĂ, und die Iris ist tiefbraun. Der kleine schwarze Schnabel ist leicht abwĂ€rts gebogen. Die kurzen FĂŒĂe sind schwĂ€rzlich fleischfarben. Die vier Zehen enden in scharfen Krallen; sie sind wie bei allen Seglern nach vorn gerichtet.
Erwachsene Mauersegler wiegen im Durchschnitt etwa 40 Gramm; das Gewicht variiert allerdings recht stark mit dem ErnĂ€hrungszustand. NichtbrĂŒter und soeben am Nistplatz eingetroffene Mauersegler sind meist etwas schwerer als Brutvögel. Die RumpflĂ€nge betrĂ€gt durchschnittlich 17 Zentimeter, beim Anlegen der FlĂŒgel kreuzen sich diese und ĂŒberragen den Schwanz um etwa vier Zentimeter. Die FlĂŒgelspannweite liegt zwischen 40 und 44 Zentimetern. Dabei sind die Handschwingen im Vergleich zu anderen Vogelarten stark verlĂ€ngert; Ober- und Unterarm sind kurz und kompakt.
Das Jugendkleid ist dunkler und weniger glĂ€nzend, das WeiĂ der Kehle ist ausgedehnter und reiner als bei adulten Vögeln. Zudem unterscheiden sich Jungvögel durch die weiĂen FedersĂ€ume von den Altvögeln, die an den Achselfedern, den FlĂŒgeldecken, dem GroĂgefieder und vor allem an der Stirn am auffallendsten sind. Nur die SĂ€ume der Stirnfedern erhalten sich bis zur Jugendmauser, wĂ€hrend die anderen weiĂen SĂ€ume durch Abnutzung recht bald verschwinden. EinjĂ€hrige sehen wie adulte Mauersegler aus; sie sind am besten noch am abgetragenen juvenilen GroĂgefieder zu erkennen, bei dem vor allem die Enden der Schwanzfedern stĂ€rker gerundet sind.cite-ref-hbvaaabschreibung-4-0[4]cite-ref-chantlerdriessens2000commonswift-5-0[5]cite-ref-bosch2005kap3-6-0[6]
Mauser
Die Jugendmauser erfolgt im afrikanischen Winterquartier und ist eine Teilmauser, wobei die Schwung- und ein Teil der mittleren Schwanzfedern erhalten bleiben. Die zehn Handschwingen, die die wesentliche tragende FlĂ€che des FlĂŒgels bilden, werden erstmals wĂ€hrend der nĂ€chsten Jahresmauser gewechselt und haben dann schon zwei Reisen nach Afrika hinter sich.
Die Jahresmauser adulter Vögel ist eine Vollmauser und kann schon im Juli mit dem Wechsel des Kleingefieders beginnen. Die Mauser der Schwingen beginnt Mitte August oder Anfang September und zieht sich schrittweise und auf beiden Seiten synchron ĂŒber 6 bis 7 Monate hin, so dass die FlugfĂ€higkeit immer gewĂ€hrleistet bleibt. Zuletzt fĂ€llt bei normaler Mausersequenz die 10. Handschwinge aus.cite-ref-hbvaaamauser-7-0[7]cite-ref-hbvaaabschreibung-4-1[4]cite-ref-bosch2005kap5-8-0[8]
Flug
Der Körperbau des Mauerseglers ermöglicht einen schnellen, wendigen Gleitflug, bei dem die FlĂŒgel fast horizontal gestreckt werden und nur leicht abwĂ€rts gebogen sind. Bei starker Thermik können Mauersegler auch segeln, normalerweise wechseln aber Schlag- mit Gleitphasen jeweils unterschiedlicher LĂ€nge. Charakteristisch ist zudem ein hĂ€ufiges Kippen um die LĂ€ngsachse, das in Gleitphasen stellenweise eingestreut wird. In Verbindung mit den ebenfalls typischen Wendungen kann das den Eindruck vermitteln, der FlĂŒgelschlag erfolge asynchron.cite-ref-hbvaaaverhbewegung-3-1[3] Auch bei engen Flugkurven halten Mauersegler ihren Kopf horizontal, so dass sie ihre Umgebung stets umfassend in gleichbleibender Orientierung wahrnehmen können.cite-ref-nature2007-9-0[9]
Um gröĂere Höhenverluste zu vermeiden, werden wĂ€hrend des Gleitflugs Schlagphasen eingestreut, die von 0,5 bis 22 Sekunden andauern können, die mittlere Dauer betrĂ€gt ungefĂ€hr 4 Sekunden. Die Schlagfrequenz liegt meist zwischen 7 und 8 SchlĂ€gen pro Sekunde. Im Gleitflug werden gewöhnlich 20 bis 50 km/h, im Kraftflug 40 bis 100 km/h erreicht, bei Flugspielen sind ĂŒber 200 km/h möglich. In der Luft ĂŒbernachtende Tiere fliegen durchschnittlich mit 23 km/h. Das beste VerhĂ€ltnis zwischen Energieaufwand und zurĂŒckgelegter Strecke liegt fĂŒr ziehende Vögel bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ungefĂ€hr 32 km/h.cite-ref-hbvaaaverhbewegung-3-2[3]
Mauersegler passen die Form der FlĂŒgel den Flugbedingungen an. Voll ausgestreckte FlĂŒgel ermöglichen dabei den besten langsamen Gleitflug und um bis zu 60 Prozent mehr Distanz als in der Grundstellung. ZurĂŒckgezogene FlĂŒgel dienen dem Flug bei hohem Tempo und schnellen Kehren, bei anderer Stellung der FlĂŒgel wĂŒrden diese sonst dem Winddruck nicht standhalten.cite-ref-lentink2007-10-0[10]
Stimme
Vor allem in Gesellschaft und bei KĂ€mpfen sind Mauersegler auĂerordentlich ruffreudig. Am auffallendsten ist das hohe schrille, oft gereiht vorgetragene srieh srieh, mit dem die Vögel auch den VerkehrslĂ€rm in StĂ€dten ĂŒbertönen können. Daneben Ă€uĂern Mauersegler einige weitere ein- oder zweisilbige Rufe wie sprieh oder sriiĂŒ. Die Rufe werden verschieden gedehnt, manchmal höher oder zweisilbig vorgetragen. Einander jagende Vögel geben ein individuelles und nach Höhe und LĂ€nge unterschiedliches sirrr oder ein stakkatoartiges sisisisi von sich. Die Frequenz ihrer Rufe liegt zwischen 4000 und 7000 Hertz, in einem hohen, aber fĂŒr das menschliche Gehör gut wahrnehmbaren Frequenzbereich.cite-ref-hbvaaastimme-11-0[11]cite-ref-bosch2005kap11-12-0[12]
Eine besondere Bedeutung hat auch das sogenannte âDuettierenâ am Brutplatz. Ein Mauerseglerpaar ruft dort gemeinschaftlich swii-rii; dabei stammt das hellere swii vom Weibchen und das etwas tiefere rii vom MĂ€nnchen. Dieses Verhalten stellt die beste Möglichkeit zur Unterscheidung der Geschlechter dar. Daneben hat dieses Duett fĂŒr die Vögel selbst eine noch bedeutendere Funktion, denn es dient einem effizienten Aufteilungsverfahren der oft knappen, geeigneten Brutnischen. Schon lange kennt man in diesem Zusammenhang das sogenannte âBangingâ, bei dem einzelne Vögel kurz die EingĂ€nge möglicher NistplĂ€tze touchieren und sich so bemerkbar machen. Oft verharren die Vögel dabei nur kurz, um ohne ein Inspizieren der Bruthöhle wieder weiterzufliegen. Falls ein einzelner Vogel bereits die im Inneren meist dunkle Bruthöhle besetzt hĂ€lt, macht sich dieser durch seinen geschlechtsspezifischen Ruf bemerkbar, und der anfliegende Vogel erfĂ€hrt so schnell, ob er ein potentieller Kandidat zur GrĂŒndung einer Familie sein kann.cite-ref-hbvaaastimme-11-1[11]cite-ref-bosch2005kap11-12-1[12]cite-ref-kaiser2003-13-0[13]
Unterscheidung von Mauerseglern und Schwalben
In Mitteleuropa jagen vor allem Rauch- und Mehlschwalben in Ă€hnlicher Weise wie der etwas gröĂere Mauersegler in der Luft nach Insekten, manchmal kommen auch gemischte Gruppen vor. Beste Unterscheidungskriterien der verschiedenen Arten sind folgende:cite-ref-bosch2005kap3-6-1[6]
âą LautĂ€uĂerungen: Die schrillen Schreie des Mauerseglers unterscheiden sich deutlich vom eher unauffĂ€lligen âSchwĂ€tzenâ der Schwalben.
âą FlĂŒgelform: Die schmalen, sichelförmigen FlĂŒgel des Mauerseglers sind im Vergleich zum schlanken Körper lĂ€nger, die Flugsilhouette gleicht der Form eines Ankers.
âą Schwanzform: Rauchschwalben sind an den langen, tief gegabelten SchwanzspieĂen gut zu unterscheiden.
âą Flugweise: Beim Mauersegler wechseln schnelle tiefe FlĂŒgelschlĂ€ge und lĂ€ngere Gleitphasen einander ab. Der Flug der Schwalben dagegen wirkt flattriger und tĂ€nzelnd, zudem schlagen sie die FlĂŒgel etwas nach hinten.
âą Farbe: Die Unterseite des Mauerseglers ist, bis auf den kaum zu sehenden Kehlfleck, glĂ€nzend schwarzbraun. Schwalben dagegen zeigen eine beige-weiĂe Unterseite, Rauchschwalben zudem eine von unten erkennbare rötliche Kehlfarbe.
Verwechselbare verwandte Arten
Innerhalb der Familie der Segler ĂŒberschneiden sich die Brutgebiete von Mauersegler und Alpensegler am weitrĂ€umigsten, doch ist der Alpensegler deutlich gröĂer und durch die weiĂe Kehle und Bauchseite sehr gut gekennzeichnet. Erheblich schwieriger ist die Unterscheidung vom gleich groĂen Fahlsegler im Mittelmeerraum und im Mittleren Osten, wo sich die Brutgebiete ĂŒberschneiden und die Vögel oft gemeinsam auf Insektenjagd sind. Der Mauersegler wirkt dabei im Vergleich âschnittigerâ, der Körper ist schlanker, die FlĂŒgelenden sind stĂ€rker gespitzt und der Schwanz ist etwas tiefer gegabelt. Das Gefieder des Fahlseglers ist etwas heller und eher olivbraun im Vergleich zum Schwarzbraun des Mauerseglers. Am gröĂten ist die Gefahr einer Verwechslung zwischen der dunkelsten Unterart des Fahlseglers (A. pallidus illyricus) und der im Vergleich zur Nominatform etwas helleren Subspezies A. a. pekinensis des Mauerseglers, die einander auf dem Zug und im Winterquartier begegnen.
Vor allem wÀhrend des Weg- und Heimzugs stellt auch der auf Madeira und den Kanarischen Inseln vorkommende Einfarbsegler eine Verwechslungsmöglichkeit dar, auch gibt es im afrikanischen Winterquartier mit Maussegler, Schouteden-Segler, Kapsegler, Sokotrasegler, Damarasegler und Braunsegler eine Reihe afrikanischer Seglerarten, die nicht immer leicht vom Mauersegler zu unterscheiden sind.cite-ref-chantlerdriessens2000commonswift-5-1[5]
Verbreitung, Lebensraum und Wanderungen
Verbreitung
Das Brutgebiet erstreckt sich ĂŒber groĂe Teile der palĂ€arktischen Region. Auf den Inseln des Mittelmeers und in Europa brĂŒtet der Mauersegler ĂŒberall auĂer in den nördlichsten Gebieten â Island, dem Norden Skandinaviens und den Tundren Russlands. Er fehlt auch im nördlichsten Teil Schottlands, auf den FĂ€röer-Inseln, in den sĂŒdlichen Gebirgsregionen Skandinaviens und Teilen der Alpen und des Balkans. Ganz im Nordwesten Afrikas brĂŒtet der Mauersegler nahe der MittelmeerkĂŒste; zudem werden einigen Berichten zufolge verschiedene kanarische Inseln besiedelt und markieren nun den sĂŒdwestlichen Endpunkt des Brutgebietes.
Im Nahen Osten kommt der Mauersegler in Kleinasien, an der MittelmeerkĂŒste und vereinzelt in Syrien als Brutvogel vor. In Asien reicht das Brutgebiet im Norden bis zum 60. Breitengrad. Die östliche Grenze des Gebiets bilden der Fluss Oljokma in Sibirien, der GroĂe Chingan im Nordosten der Inneren Mongolei sowie die chinesischen Provinzen Liaoning und Shandong. Die sĂŒdliche Grenze des asiatischen Brutgebiets verlĂ€uft ungefĂ€hr entlang des 35. Breitengrads, allerdings fehlt der Mauersegler im zentralasiatischen SteppengĂŒrtel.cite-ref-chantlerdriessens2000commonswift-5-2[5]cite-ref-hbvaaverbreitung-14-0[14]cite-ref-hbvaaabrutgebiet-15-0[15]
WĂ€hrend des Winters auf der Nordhalbkugel ĂŒbersommert der Mauersegler zwischen Ăquatorial- und SĂŒdafrika, von der Nordgrenze der tropischen Tiefland-RegenwĂ€lder und dem Ăquator in Ostafrika bis zum SĂŒdrand des Orange-River-Beckens in SĂŒdafrika.cite-ref-hbvaaawanderungen-2-1[2]
Lebensraum
In Mitteleuropa brĂŒtet der Mauersegler hauptsĂ€chlich an mehrgeschossigen Altbauten, darunter WohnhĂ€user, KirchtĂŒrme, FabrikgebĂ€ude oder Bahnhöfe. An solchen GebĂ€uden werden vielerlei HohlrĂ€ume an DĂ€chern und Fassaden genutzt, etwa Traufen oder RollladenkĂ€sten. Neubauten mit dichter AuĂenhaut bieten kaum Brutmöglichkeiten. Bedingt durch die VerfĂŒgbarkeit geeigneter BrutplĂ€tze siedeln die Mauersegler hĂ€ufig nur an wenigen Orten, etwa in Ortszentren, Industrie- oder Hafenanlagen, in KleinstĂ€dten oft ausschlieĂlich an Kirchen oder anderen historischen GebĂ€uden.cite-ref-hbvaaabiotop-17-0[17]
Mauersegler waren ursprĂŒnglich ĂŒberwiegend FelsbrĂŒter, heute sind diese in Mitteleuropa selten und nur aus wenigen Regionen bekannt, wie beispielsweise dem Elbsandsteingebirge. Es wird vermutet, dass sich der Ăbergang vom Fels- zum GebĂ€udebrĂŒter im Mittelalter vollzogen hat. Möglicherweise stellten aus grobem Naturstein errichtete Burganlagen das Bindeglied dar, ĂŒber das sich die Vögel menschlichen Bauwerken annĂ€herten und zum Kulturfolger wurden.cite-ref-hbvaaabiotop-17-1[17]cite-ref-bosch2005kap9-18-0[18]
Mauersegler kommen auch als BaumbrĂŒter vor, in Mitteleuropa allerdings nur vereinzelt. In Deutschland trifft dies beispielsweise nur auf ein Prozent der Brutpaare zu, davon finden sich einige im Harz, wo die ökologischen ZusammenhĂ€nge gut erforscht wurden. Solche âBaumseglerâ benötigen in der Regel ĂŒber 100 Jahre alte BaumbestĂ€nde, um dort verlassene Spechthöhlen als Seglerhöhlen nutzen zu können. Bruten wurden jedoch auch in einzelnstehenden, stĂ€dtischen BĂ€umen nachgewiesen. Im Norden Fennoskandinaviens sowie in manchen Gegenden Russlands meidet der Mauersegler Ortschaften und bewohnt ausschlieĂlich den Wald.cite-ref-hbvaaabiotop-17-2[17]cite-ref-msforumbaum-19-0[19]cite-ref-bosch2005kap10-20-0[20]
Sowohl im Brutgebiet als auch im Winterquartier kommt der Mauersegler dabei in allen Höhenbereichen vor, in denen die klimatischen VerhÀltnisse ein ausreichendes Angebot an Insekten gewÀhrleisten. Die höchsten BrutplÀtze finden sich im Verbreitungsgebiet der Unterart A. a. pekinensis zwischen 1500 und 3300 Metern, solche Vögel wurden in mehr als 4.000 Metern bei der Nahrungssuche beobachtet, die höchsten beobachteten ziehenden Vögel befanden sich auf einer Höhe von 5700 Metern bei Ladakh.cite-ref-chantlerdriessens2000commonswift-5-3[5]
Wanderungen
Mauersegler verbringen sowohl im Brutgebiet als auch im sĂŒdafrikanischen Winterquartier nicht mehr als 3 bis 3œ Monate, die restliche Zeit des Jahres beanspruchen Weg- und Heimzug. Der Wegzug erfolgt kurz nach dem Ausfliegen der Jungvögel, in Mitteleuropa meist in der zweiten JulihĂ€lfte oder Anfang August. Erfolglose Brutvögel, Jungvögel und die noch nicht geschlechtsreifen EinjĂ€hrigen wandern gewöhnlich zuerst ab, danach verpaarte MĂ€nnchen und zuletzt die Brutpartnerinnen. Der lĂ€ngere Aufenthalt der Weibchen am Brutplatz dient dem Wiederaufbau der Fettreserven.
Der Zeitpunkt des Aufbruchs ist offenbar photoperiodisch determiniert und beginnt bei Unterschreitung einer TageslĂ€nge von ungefĂ€hr 17 Stunden inklusive DĂ€mmerungsphasen. Deshalb brechen weiter nördlich brĂŒtende Vögel spĂ€ter auf, beispielsweise in Finnland erst in der zweiten AugusthĂ€lfte. Durch die rapide sinkende TageslĂ€nge durchqueren diese NachzĂŒgler dann Mitteleuropa sehr rasch und werden deshalb feldornithologisch kaum bemerkt.
Die vorherrschende Zugrichtung von Mitteleuropa aus ist SĂŒdwest bis SĂŒd, die Alpen bilden dabei keine Barriere. Vor allem bei schlechtem Wetter folgen die Mauersegler FlusslĂ€ufen, an denen ein besseres Nahrungsangebot zu finden ist. Die west- und mitteleuropĂ€ischen Populationen ziehen vorwiegend ĂŒber die Iberische Halbinsel und Nordwestafrika. Am betrĂ€chtlichen Durchzug im östlichen Mittelmeerraum sind hauptsĂ€chlich Vögel aus SĂŒdosteuropa und Russland beteiligt, die Lage der Zugscheide und des Mischgebiets ist unklar. Weiter folgen die westlich ziehenden Segler gröĂtenteils der nordwestafrikanischen AtlantikkĂŒste, teilweise wird die Sahara auch direkt ĂŒberflogen. In den Feuchtsavannen Afrikas angekommen, scheint sich die Zugrichtung nach SĂŒdosten zu Ă€ndern, bis die HauptĂŒberwinterungsgebiete erreicht werden. Diese liegen umso weiter sĂŒdlich, je weiter sĂŒdlich sich das sommerliche Brutgebiet der Vögel befindet. In Deutschland brĂŒtende Mauersegler ziehen beispielsweise bis in das sĂŒdöstliche Afrika, in Schweden brĂŒtende dagegen nur bis zum mittleren Westafrika.cite-ref-hedenstr-m2016-1-1[1]cite-ref-hbvaaawanderungen-2-2[2]
WĂ€hrend des Ăbersommerns in Afrika folgt offensichtlich eine groĂe Zahl von Mauerseglern stĂ€ndig der Innertropischen Konvergenzzone (ITCZ), die dem Gebiet des Sonnenhöchststands mit einmonatiger Verzögerung nachfolgt. In den dortigen Trockengebieten bewirken diese saisonalen NiederschlĂ€ge vorĂŒbergehend ein reichhaltiges Angebot an Insekten, das die wĂ€hrend dieser Zeit nahezu ununterbrochen in der Luft befindlichen Mauersegler konsequent nutzen.cite-ref-hbvaaawanderungen-2-3[2]cite-ref-kaiser2003-13-1[13]
Einige Mauersegler, wahrscheinlich ein Teil der einjĂ€hrigen Vögel, verbleiben in Afrika. Der GroĂteil der heimziehenden Vögel zieht nordwĂ€rts durch Afrika, wobei die Zugrichtung etwas östlicher verlĂ€uft als beim Wegzug.cite-ref-chantlerdriessens2000commonswift-5-4[5] Auch fliegen die Vögel beim Heimzug bevorzugt auf der Vorderseite von Tiefdruckgebieten, um die sĂŒdwestliche Strömung im Warmsektor des Tiefs auszunutzen. Im Gegensatz dazu nutzen sie wĂ€hrend des Wegzugs die nordöstlichen Winde auf der RĂŒckseite eines Tiefs.cite-ref-hbvaaawanderungen-2-4[2]cite-ref-bruderer1999-21-0[21]
In Mitteleuropa treffen die Mauersegler in der Hauptsache in der zweiten AprilhĂ€lfte und im ersten Maidrittel ein, und zwar in Niederungen und GewĂ€ssernĂ€he eher als in höheren Lagen. Auch in nördlicheren Gebieten treffen die Vögel spĂ€ter ein. Das Wetter wĂ€hrend des Zuges hat groĂen Einfluss auf die Zugdauer, so dass der Ankunftszeitpunkt auch lokal um etwa drei Wochen variieren kann. Bei der RĂŒckkehr der Mauersegler in das Brutgebiet konnten vier Wellen identifiziert werden. Die erste Welle bildet die Vorhut, die etwa 12 â 14 Tage vor dem Vortrupp und dem Hauptteil eintrifft. Diese drei Gruppen enthalten durchweg geschlechtsreife Tiere. Etwa in der Mitte der dreimonatigen Aufenthaltsdauer erreicht die letzte Welle der Mauersegler die Brutgebiete. Hierbei handelt es sich um noch nicht geschlechtsreife Vögel.cite-ref-hbvaaawanderungen-2-5[2]cite-ref-tigges2007-22-0[22]
Wetterflucht
Aufkommendem Regenwetter begegnen Mauersegler durch so genannte zyklonale WetterflĂŒge. Bei AnnĂ€herung eines Tiefdruckgebiets ziehen viele Mauersegler vor dessen Wetterfronten her. Sie starten in vielen FĂ€llen bereits, wenn die Kaltfront noch 500 bis 600 km entfernt ist. Die Vögel bilden rasch Trupps, die zunĂ€chst in den Warmsektor des Tiefs ziehen, wo sie selbst bei Regen noch genĂŒgend Nahrung finden. SpĂ€ter fliegen sie gegen den Wind durch die Kaltfront des Tiefdruckgebiets hindurch und sind so die kĂŒrzestmögliche Zeit den stĂ€rksten RegenfĂ€llen ausgesetzt. Meist umwandern die Mauersegler dabei das Zentrum des Tiefs im Uhrzeigersinn und kehren oft erst nach 1000 bis 2000 Kilometern wieder zum Ausgangspunkt zurĂŒck. RegelmĂ€Ăig vermischen sich durch solche Wetterfluchten aber auch die Individuen verschiedener Regionen vorĂŒbergehend.
An den WetterflĂŒgen nehmen besonders die nicht brĂŒtenden Vögel teil, also vor allem die EinjĂ€hrigen. Aber auch die Brutvögel beteiligen sich oft an den Wetterfluchten. Die Jungvögel ĂŒberdauern die Abwesenheit der Eltern meist in einer Art Hungerschlaf (siehe Hungerstarre).cite-ref-hbvaaawanderungen-2-6[2]
Nahrung und Nahrungserwerb
Mauersegler ernĂ€hren sich als LuftjĂ€ger ausschlieĂlich von Insekten und Spinnen. Die regionale HĂ€ufigkeit bestimmter Beute im Luftraum und das Nahrungsspektrum der dortigen Vögel stimmen weitestgehend ĂŒberein, so dass davon auszugehen ist, dass Mauersegler nicht wĂ€hlerisch sind und alle erreichbaren Objekte geeigneter GröĂe verwerten. In Europa sind ĂŒber 500 Arten als Beute nachgewiesen, wobei von einer wesentlich höheren Zahl auszugehen ist, da die bisherigen Untersuchungen hierzu sich nur auf recht wenige Standorte beschrĂ€nken. Hauptbeute sind wohl BlattlĂ€use, HautflĂŒgler, KĂ€fer und ZweiflĂŒgler, hĂ€ufig spielen auch fliegende Ameisenstadien und in Afrika zudem Termiten eine wichtige Rolle. Bei Wahlmöglichkeit werden Beutetiere mit einer KörperlĂ€nge von mehr als 5 Millimetern bevorzugt, zu den gröĂten als Beutetier nachgewiesenen Tieren zĂ€hlt die Hausmutter, ein Eulenfalter mit einer KörperlĂ€nge von 26 bis 29 Millimetern.cite-ref-hbvaaanahrung-23-0[23]
Der Nahrungserwerb erfolgt praktisch ausschlieĂlich in der Luft, ein Ablesen von Nahrung an Dachrinnen, VordĂ€chern oder Ăhnlichem ist selten. Je nach Wetter und Verteilung des Angebots jagen Mauersegler in wechselnden Gebieten und Höhen, bei niedrigen Temperaturen oft in geringem Abstand zur Vegetation. Normalerweise liegt die Flughöhe zwischen 6 und 50 Metern, an warmen Tagen oft aber auch ĂŒber 100 Meter ĂŒber dem Boden. Auch folgen Mauersegler ihrer Beute, wenn diese in der aufsteigenden Thermik hochgespĂŒlt wird. So jagen sie auch in Höhen bis zu den Wolkenuntergrenzen von Kumuluswolken. In Mitteleuropa sind dies Höhen von bis zu etwa 3.000 m. Segelflugzeugpiloten nutzen SchwĂ€rme von jagenden Mauerseglern als Thermikindikatoren: Wo sich Mauersegler in gröĂeren Höhen aufhalten, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch aufsteigende Luftströmungen zu finden.
Der gröĂte Jagderfolg ergibt sich vermutlich bei windstiller und warmer Witterung. Die Nahrungssuche erfolgt im Wechsel zwischen Schlag- und Gleitflug mit raschen RichtungsĂ€nderungen; dabei wird der Schnabel erst beim Zuschnappen geöffnet. Allerdings erreichen Mauersegler nicht die extreme Wendigkeit der Schwalben, die zudem auch gezielt gröĂere Insekten ergreifen als Mauersegler. Die Luftjagd der Schwalben gilt als wesentlich effektiver. Bei der Nahrungssuche halten voneinander entfernt fliegende Vögel optisch Kontakt, so dass sich bei Aufsteigen schwĂ€rmender Ameisen oft binnen weniger Minuten Hunderte von Mauerseglern einfinden.cite-ref-hbvaaahbvaaaverhnahrungserw-24-0[24]cite-ref-bosch2005kap7-25-0[25]cite-ref-hbvaaaverhsozial-26-0[26]
Die Nestlingsnahrung unterscheidet sich nicht wesentlich vom sonstigen Beutespektrum der Altvögel, sie besteht fast ausschlieĂlich aus Objekten von 2 bis 10 Millimetern LĂ€nge. Brutvögel sammeln die Nahrung im Kehlsack, bis eine definierte Menge beisammen ist, was bei gutem Wetter bereits in knapp 40 Minuten erledigt sein kann, bei schlechter Witterung aber erheblich lĂ€nger dauert. Ein fĂŒtterndes Brutpaar kann bei guten Bedingungen an einem Tag 50 Gramm Futter herbeischaffen, was mehr als 20.000 Insekten oder Spinnentieren entspricht.cite-ref-hbvaaanahrung-23-1[23]cite-ref-bosch2005kap7-25-1[25]
Das Trinken erfolgt in einem schnellen, geraden Gleitflug, wobei der Körper einen Winkel von etwa 20 bis 35 Grad zur WasseroberflĂ€che bildet. Die FlĂŒgel werden dabei in V-Stellung gehalten. Der Schnabel taucht auf einer Strecke von ungefĂ€hr einem halben Meter ein und nahezu gleichzeitig mit dem Ăffnen des Schnabels werden die Schwanzfedern abwĂ€rts gedrĂŒckt.cite-ref-hbvaaahbvaaaverhnahrungserw-24-1[24]
Hungerstarre
Ăltere, befiederte Nestlinge können durch Schlechtwetterperioden und Wetterflucht der Altvögel verursachten Nahrungsmangel ĂŒberstehen, indem sie torpide werden. Dabei werden alle Körperfunktionen auf ein Minimum heruntergefahren, Herzschlag und Atmung verlangsamen sich. Die Körpertemperatur sinkt vom ungefĂ€hr bei 39 °C liegenden Normalwert nach einer Weile nachts bis knapp ĂŒber die Umgebungstemperatur ab. ZunĂ€chst werden die Fettreserven verbraucht, zuletzt auch Körpergewebe angegriffen, vor allem die Muskulatur oder die Leber. Auf diese Art können die Nestlinge ein bis zwei Wochen ohne Nahrung ĂŒberdauern. Wenn die Körpertemperatur 20 °C unterschreitet, tritt in der Regel der Tod ein.cite-ref-hbvaaaverhruheputzen-27-0[27]
Auch Altvögel können in beschrĂ€nktem MaĂe torpide werden, aber dabei nur drei bis vier Tage ohne Nahrung ĂŒberstehen. Wenn die Tiere bei einer Wetterflucht nicht in Gegenden mit besseren Bedingungen gelangen, sammeln sie sich dicht gedrĂ€ngt und bewegungslos an Mauern und FelswĂ€nden. Beobachten kann man die Mauersegler in diesem Zustand kaum, da sie sich in geschĂŒtzte Nischen zurĂŒckziehen, weil sie aufgrund stark reduzierter Reflexe sonst Feinden hilflos ausgeliefert wĂ€ren.cite-ref-hbvaaaverhruheputzen-27-1[27]cite-ref-hbvaaaverhsozial-26-1[26]
Fortpflanzung und Lebenserwartung
Mauersegler werden frĂŒhestens am Ende des zweiten Lebensjahres geschlechtsreif, die einjĂ€hrigen Vögel verbringen also nach der RĂŒckkehr aus Afrika die erste Saison im Brutgebiet noch ohne sich fortzupflanzen. Teilweise werden aber schon potenzielle Bruthöhlen inspiziert und auch besetzt. Adulte Mauersegler fĂŒhren eine monogame Ehe zumindest fĂŒr eine Saison, in der Regel aber ĂŒber viele Jahre. Die partnerschaftliche Treue basiert auf einer ausgeprĂ€gten Nistplatzbindung. Die Partner treffen nicht gemeinsam, sondern meist im Abstand von etwa 10 Tagen im Brutgebiet ein.cite-ref-hbvaaafortpflanzung-28-0[28]
Die nur etwa dreimonatige Brutperiode ermöglicht nur eine Jahresbrut, Ersatzbruten bei Gelegeverlust gibt es dennoch hÀufig, meist im selben Nest. Der Bruterfolg ist stark wetterabhÀngig. Wegen der hohen Lebenserwartung des Mauerseglers beeinflussen jedoch selbst Jahre ohne Nachwuchs den Bestand kaum.cite-ref-hbvaaafortpflanzung-28-1[28]cite-ref-hbvaaabestand-29-0[29]
Neststandort und Nest
Die gesellig in Kolonien brĂŒtenden Mauersegler bevorzugen Neststandorte in dunklen, gröĂtenteils horizontalen HohlrĂ€umen mit der Möglichkeit eines direkten Anflugs. Die meist 6 bis 30 Meter hoch gelegenen HöhleneingĂ€nge werden mittels einer sogenannten Unterfliegungslandungcite-ref-30[30] angeflogen, bei der ein erheblicher Teil des Schwungs durch einen kurzen Steigflug vor der Landung abgebremst wird. Das Nest befindet sich im Regelfall in der hinteren Höhlenecke, möglichst weit vom Eingang entfernt. Zwischen Höhleneingang und Nest können gegebenenfalls Röhren mit mindestens 10 Zentimetern Durchmesser und einer LĂ€nge von bis zu 70 Zentimetern kriechend bewĂ€ltigt werden. Im Gegensatz zum Alpensegler, bei dem sich mehrere Paare einen Eingang teilen können, beansprucht jedes Mauerseglerpaar normalerweise einen separaten Eingang.
Der Nestbau erfolgt durch beide Partner und kann schon einen Tag nach der Verpaarung beginnen. Das Sammeln von Nistmaterial erfolgt dabei im Flug, mit gelegentlichen Unterbrechungen aufgrund der WindabhĂ€ngigkeit. Die Objekte, die aerodynamisch keinen allzu groĂen Widerstand leisten dĂŒrfen, werden meist im Schnabel transportiert, seltener im Kehlsack oder mit den FĂŒĂen. Je nach Angebot werden so Halme, BlĂ€tter, Knospenschuppen, Samen, Fasern, Haare, Federn, Textil- und Papierfetzen verbaut. Das Nest bildet eine unordentliche, flache Schale mit einer zentralen Vertiefung, die mit klebrigem, rasch erhĂ€rtendem Speichel ĂŒberzogen wird. HĂ€ufig wird ein Nest viele Brutperioden nacheinander benutzt und alljĂ€hrlich nur ergĂ€nzt und neu eingespeichelt, wobei der Durchmesser von 9 Zentimetern bei Neuanlage auf 15 Zentimeter anwachsen kann. Vorgefundene Bauten anderer HöhlenbrĂŒter wie Star, Haussperling oder Hausrotschwanz werden gelegentlich gewaltsam ĂŒbernommen und ĂŒberbaut, manchmal samt Eiern oder Jungvögeln. Ăberbaute Nester verursachen so mitunter erheblichen Gestank, was die Mauersegler offensichtlich nicht stört.cite-ref-hbvaaafortpflanzung-28-2[28]cite-ref-bosch2005kap10-20-1[20]
Balz und Paarung
Die Flugbalz beginnt bei gutem Wetter unmittelbar nach Ankunft im Brutgebiet, kann aber auch bereits im Winterquartier ab Anfang November beginnen. Beim Balzflug verfolgen sich zwei Segler im Abstand von einem bis zehn Meter, vermutlich handelt es sich beim Verfolger um das MĂ€nnchen, das mit einer typischen V-Stellung der FlĂŒgel ĂŒberfallartig versucht, das Weibchen zu erreichen. Dieses Balzfliegen wirkt animierend, so dass weitere Vögel sich anschlieĂen oder die Jagd auf einen anderen Vogel eröffnen. HĂ€ufig geht eine solche kollektive Flugbalz recht unvermittelt in die Nahrungssuche ĂŒber.cite-ref-hbvaaaverhsex-31-0[31]
Manchmal kommt es auch zur Paarbildung am Nistplatz, insbesondere das Zusammenfinden frĂŒherer Partner erfolgt oft in der Bruthöhle. Der Eindringende wird dabei zunĂ€chst vom Höhlenbesitzer mit lauten Schreien und heftigen Drohgesten empfangen. Die sehr erregten Tiere richten sich mehrfach auf, was als Beschwichtigungsgeste zu interpretieren ist, nur langsam entspannt sich die Situation und eine gegenseitige Gefiederpflege schlieĂt sich an. Handelt es sich beim Ankömmling um den Partner aus dem Vorjahr, sind die Drohgesten schwĂ€cher und der Ăbergang zum gegenseitigen Putzen erfolgt erheblich schneller.cite-ref-hbvaaaverhsex-31-1[31]
Kopulationen erfolgen sowohl in der Bruthöhle als auch in der Luft. Bei der Vereinigung am Nistplatz hĂ€lt sich das MĂ€nnchen mit dem Schnabel im Genick und mit den FĂŒĂen im Gefieder der ruhig liegenden Partnerin fest. WĂ€hrend das Weibchen den Schwanz hebt, windet das MĂ€nnchen seinen Hinterleib abwĂ€rts. Gewöhnlich folgen drei bis vier Begattungen aufeinander. Die offenbar nur bei gutem Wetter vollzogenen Flugkopulationen beginnen in einer Höhe von etwa 80 Metern und erinnern an die Flugbalz. Das zunĂ€chst ruhig geradeaus fliegende Weibchen beginnt mit den FlĂŒgeln zu vibrieren und verliert an Fahrt. Das folgende MĂ€nnchen steigert sein Tempo, schwebt schrĂ€g von oben auf die Partnerin und verkrallt sich im RĂŒckengefieder. WĂ€hrend der Begattung bleiben die FlĂŒgel ruhig. Bei der Kopulation verliert das Paar an Höhe und Geschwindigkeit und trennt sich im Normalfall nach zwei bis vier Sekunden wieder.cite-ref-hbvaaaverhsex-31-2[31]
Die evolutionĂ€re Bedeutung solcher Begattungen âon the wingâ ist schwer zu erklĂ€ren, da es nachgewiesenermaĂen auch zu Kopulationen in der Bruthöhle kommt und sich die Frage stellt, welchen Grund es haben kann, dass sich die Vögel dabei einem solchen Risiko aussetzen. Aber die Flugkopulationen sind durch zahlreiche wissenschaftliche Quellen belegt, auch bei anderen Seglerarten.cite-ref-chantlerdriessens2000mateselection-32-0[32] Die Vermutung, dass Flugkopulationen fĂŒr das Weibchen eine Möglichkeit der sexuellen Selektion darstellen könnten, ist nicht haltbar, da die HĂ€ufigkeit einer auĂerpartnerschaftlichen Vaterschaft bei Mauerseglern selbst fĂŒr einen ânormalenâ KoloniebrĂŒter ausgesprochen niedrig zu sein scheint.cite-ref-martins2002-33-0[33]cite-ref-bosch2005kap10-20-2[20]
Gelege und Brut
Die Eier sind lĂ€nglich elliptisch, aber ungleichhĂ€lftig. Sie messen 25 Ă 16 Millimeter, die Schale ist weiĂ und glanzlos, die grauen Flecken stammen vom Kot der Seglerlausfliege. In mehr als 90 Prozent der FĂ€lle besteht das Gelege aus 2 bis 3 Eiern, gelegentlich aus nur einem Ei und sehr selten aus 4 Eiern. Ăblicherweise erfolgt die Eiablage in Mitteleuropa in der zweiten MaihĂ€lfte, meist wĂ€hrend des Vormittags.
Sowohl die GelegegröĂe als auch die im Durchschnitt 19 Tage dauernde BebrĂŒtungszeit sind stark witterungsabhĂ€ngig, die Brutdauer kann zwischen 18 und 27 Tagen liegen. Eine solche zeitliche VariabilitĂ€t und LĂ€nge stellt eine Besonderheit bei einem Vogel dieser GröĂe dar. Die Partner wechseln sich beim BrĂŒten ab und brĂŒten offenbar zu annĂ€hernd gleichen Teilen, bei witterungsbedingten Brutpausen sind die Eier gegen AuskĂŒhlung resistent.cite-ref-hbvaaafortpflanzung-28-3[28]cite-ref-hbvaaaverhbrutpflege-34-0[34]cite-ref-bosch2005kap10-20-3[20]
Entwicklung der Jungen
Geschwister schlĂŒpfen meist innerhalb von zwei Tagen, sie sind dabei blind und völlig nackt. Die Nestlingszeit ist wie die Brutdauer stark witterungsabhĂ€ngig und kann zwischen 38 und 56 Tagen liegen, meist sind es knapp ĂŒber 40 Tage. In den ersten 2 bis 7 Tagen hudern die Altvögel nahezu stĂ€ndig, spĂ€ter bei gĂŒnstiger Witterung nur noch nachts. Die Nahrung wird von den Eltern im Kehlsack gesammelt und mit Speichel zu einer haselnussgroĂen Kugel geformt, in der viele Kleintiere noch am Leben sind. Nur in den ersten Tagen wird der Ballen in Portionen an die Nestlinge verteilt, spĂ€ter als Ganzes an die rufend mit Schnabelschwenken bettelnden Jungen ĂŒbergeben. Frische Exkremente werden von den Altvögeln anfangs verschluckt, spĂ€ter im Kehlsack fortgetragen.cite-ref-hbvaaafortpflanzung-28-4[28]cite-ref-hbvaaaverhbrutpflege-34-1[34]
Nach 2 bis 3 Wochen hopsen die Jungen in der Brutnische flatternd umher, wobei sie sich anfĂ€nglich nach wenigen Sekunden wieder ausruhen. Mit etwa einem Monat stemmen sie mit gestreckten FlĂŒgeln ihren Körper hoch, so dass die FĂŒĂe abheben, diese Stellung können sie vor dem Ausfliegen 10 oder mehr Sekunden halten. Auch nachts vollfĂŒhren Nestlinge typische Flugbewegungen.cite-ref-hbvaaaverhbrutpflege-34-2[34]
Unter optimalen Bedingungen können Nestlinge, die beim SchlĂŒpfen ungefĂ€hr drei Gramm wiegen, ihr Höchstgewicht von bis zu 60 Gramm in nicht einmal drei Wochen erreichen, sie wiegen dann das Anderthalbfache eines Altvogels. Erst ein paar Tage bevor sie flĂŒgge werden, stellen sie das Betteln ein und magern auf das optimale Fluggewicht von etwa 40 Gramm ab. Untersuchungen haben ergeben, dass selbst auf den RĂŒcken geklebte Zusatzgewichte oder gestutzte FlĂŒgelspitzen nicht die FĂ€higkeit der Jungvögel beeintrĂ€chtigen, ihr Gewicht optimal auf den Tag des Ausfliegens abzustimmen. Man geht davon aus, dass die oben beschriebenen âLiegestĂŒtzeâ in diesem Zusammenhang auch die Bestimmung des VerhĂ€ltnisses von Körpergewicht und FlĂŒgelflĂ€che ermöglichen.cite-ref-gory2005-35-0[35]cite-ref-wright2006-36-0[36]
Am Tag des Ausfliegens verbringen die Nestlinge den gröĂten Teil des Tages am Flugloch. Es vergehen oft viele Stunden, in denen der Vogel mit gespreizten FlĂŒgeln und ausgebreitetem Schwanz immer wieder den Kopf hinausstreckt. Die Eltern sind beim Ausfliegen nicht zugegen, bei SpĂ€tbruten befinden sie sich unter UmstĂ€nden bereits auf der Reise ins Winterquartier. Vermutlich zum Schutz vor Beutegreifern erfolgt das Ausfliegen meist in den Abendstunden. Die Jungvögel sind sofort selbststĂ€ndig und verbringen gleich die erste Nacht in der Luft, wie mit Telemetriesendern nachgewiesen wurde.cite-ref-hbvaaaverhbrutpflege-34-3[34]cite-ref-hbvaaafortpflanzung-28-5[28]cite-ref-kaiser2003-13-2[13]
Lebenserwartung
Mauersegler weisen eine hohe Lebenserwartung und eine unter Vögeln ungewöhnliche Altersstruktur auf, in denen höhere Lebensalter noch gut vertreten sind. Die jĂ€hrliche Sterberate adulter Vögel wird im Mittel auf 20 Prozent geschĂ€tzt. Die mittlere Lebenserwartung erwachsener Vögel liegt zwischen 4,3 und 6,2 Jahren, fĂŒr flĂŒgge Jungvögel liegt sie bei ungefĂ€hr 2,4 Jahren. Ein Alter von 10 und mehr Jahren ist keine Seltenheit, einige Male konnte durch Beringung schon ein Alter von mehr als 20 Jahren nachgewiesen werden.
Der direkte oder indirekte Einfluss des Wetters auf die Lebenserwartung ist erheblich. Bei anhaltend nasskaltem Wetter mit Temperaturen tagsĂŒber unter 10 bis 12 Grad ist die Existenz ganzer Populationen bedroht, wenn eine solche Wetterlage zudem groĂrĂ€umig ist oder eine weitere Wetterflucht durch Barrieren verhindert wird. Ein solches Massensterben adulter Tiere kann eine Population nachhaltig dezimieren, wohingegen ein einjĂ€hriger Brutausfall in Folgejahren normalerweise kompensiert werden kann.cite-ref-hbvaaabrutsterbalt-37-0[37]cite-ref-bosch2005kap6-38-0[38]
Feinde und Parasiten
Feinde
Die natĂŒrlichen Feinde des Mauerseglers sind in Mitteleuropa vor allem Baumfalke und Wanderfalke, die den Mauersegler auch hĂ€ufig im freien Luftraum erbeuten. FĂŒr einige andere Greifvogelarten wie Turmfalke und Sperber sowie fĂŒr Eulen sind Mauersegler eher eine seltenere Gelegenheitsbeute, vor allem wenn die Tiere aufgrund anhaltend nasskalter Witterung durch Nahrungsmangel geschwĂ€cht sind. Bei schlechtem Wetter gelingt es auch Hauskatzen mitunter, die dann niedrig fliegenden Vögel zu ergreifen. In der Bruthöhle stellen Steinmarder und Wiesel gelegentlich eine Bedrohung dar.cite-ref-hbvaaabrutsterbalt-37-1[37]
Parasiten
Besonders hervorzuheben ist die Mauerseglerlausfliege (Crataerina pallida), ein auf diese Art spezialisierter Parasit. Der Lebenszyklus der Lausfliegen ist mit dem der Segler synchronisiert, die in der Bruthöhle abgelegten Larven schlĂŒpfen mit den Vogelnestlingen. Die bevorzugt an Hals und Bauch Blut saugenden, 6 bis 10 Millimeter groĂen Parasiten können Jungvögel schwĂ€chen. Ob hierdurch die Sterblichkeit des Mauerseglers beeinflusst wird, ist nicht bekannt. Bis zu 12 Lausfliegen können sich im Gefieder eines Nestlings befinden; bei einem Altvogel können es bis zu 20 sein. Die Parasiten werden, wenn sie erreichbar sind, offenbar nur entfernt, aber nicht gefressen. Die Mauerseglerlausfliegen können selbst nicht mehr aktiv fliegen, sondern nur noch segeln.cite-ref-hbvaaabrutsterbalt-37-2[37]cite-ref-bosch2005kap6-38-1[38]cite-ref-hbvaaaverhruheputzen-27-2[27]
Neben Lausfliegen kommen auch andere Parasiten wie BandwĂŒrmer, Milben, Wanzen und LĂ€use vor. Ihr Einfluss auf die Sterblichkeit und Lebenserwartung ist unklar.cite-ref-bosch2005kap6-38-2[38]
Verhalten
AktivitÀt wÀhrend der Brutzeit
Der Beginn der AktivitĂ€t ist stark wetterabhĂ€ngig. Die im Nest nĂ€chtigenden Brutvögel verlassen dieses im Juni am mitten durch Deutschland verlaufenden 50. Breitengrad durchschnittlich 15 Minuten vor Sonnenaufgang; am 60. Breitengrad, der durch SĂŒdfinnland verlĂ€uft, hingegen eine Stunde vor Sonnenaufgang aufgrund der lĂ€ngeren DĂ€mmerung. Bei Bewölkung, stĂ€rkerem Wind und niedriger Temperatur begeben sich die Vögel oft wesentlich spĂ€ter und erst bei weit gröĂerer Helligkeit in die Luft, bei sehr schlechter Witterung unternehmen sie keine oder nur unregelmĂ€Ăige, sporadische AusflĂŒge. Das AktivitĂ€tsende ist hingegen weit weniger vom Wetter beeinflusst und liegt beispielsweise am 50. Breitengrad im Juni bei klarem Wetter ungefĂ€hr bei einer halben Stunde nach Sonnenuntergang. Zur besseren Ausnutzung des Tageslichts erfolgen NahrungsflĂŒge auch ĂŒber Anhöhen, wĂ€hrend die in den TĂ€lern liegenden BrutplĂ€tze noch oder schon im Dunkeln liegen.cite-ref-hbvaaaverhaktivit-t-39-0[39]
SteigflĂŒge wĂ€hrend der DĂ€mmerung
Mauersegler steigen hĂ€ufig im Laufe der AbenddĂ€mmerung innerhalb etwa einer halben Stunde auf Höhen von 2000 bis 3000 m auf. Da die Vögel bei Tagesanbruch ebenfalls einen solchen Steigflug absolvieren, ist die lange gehegte Vermutung, dieser Steigflug stĂŒnde im Zusammenhang mit der Ăbernachtung in der Luft, nicht mehr haltbar. Sowohl beim abendlichen als auch beim morgendlichen Aufsteigen erreichen die Mauersegler die gröĂte Höhe etwa wĂ€hrend der nautischen DĂ€mmerung. Die dabei erreichte Höhe scheint einen Zusammenhang zur Lufttemperatur aufzuweisen, nicht aber mit der Wolkenuntergrenze, der Feuchtigkeit oder dem Vorhandensein von Insekten. Am Abend dauert der sich an den Aufstieg anschlieĂende Sinkflug etwa doppelt so lang wie der Aufstieg, am Morgen ist es genau umgekehrt, dort ist die Steiggeschwindigkeit nur etwa halb so groĂ wie die Sinkgeschwindigkeit.cite-ref-dokter2013-40-0[40] Das gleiche Verhaltensmuster zeigen die Vögel auch wĂ€hrend der luftgebundenen Lebensweise im afrikanischen Winterquartier.cite-ref-hedenstr-m2016-1-2[1]
Vermutet wird, dass diese SteigflĂŒge zwei GrĂŒnde haben könnten: Zum einen könnte es sein, dass die Mauersegler dabei ihren Magnetsinn kalibrieren, denn wĂ€hrend der DĂ€mmerung sind Polarisationsmuster gut erkennbar und die Sterne bereits zu sehen, zudem ermöglicht die groĂe Höhe einen guten Ăberblick ĂŒber die Landschaft und eine ungestörte Wahrnehmung des Erdmagnetfelds. Zum anderen könnten die Mauersegler mit den SteigflĂŒgen einen Ăberblick ĂŒber das Wetter und die Bedingungen in der AtmosphĂ€re gewinnen, wie WindstĂ€rke und -richtung sowie Temperatur in verschiedenen Höhen.cite-ref-dokter2013-40-1[40]
Ăbernachtung in der Luft
Bereits im 18. Jahrhundert war von Lazzaro Spallanzani vermutet worden, dass Mauersegler in der Luft nĂ€chtigen, da er oft abends beobachten konnte, wie sie sich immer höher schraubten. Obwohl diese Schlussfolgerung so wohl nicht stimmt, da der abendliche Steigflug andere GrĂŒnde zu haben scheint (siehe voriger Abschnitt), ist mittlerweile erwiesen, dass Mauersegler, insbesondere die nicht brĂŒtenden Vögel, hĂ€ufig fliegend ĂŒbernachten. Die Nacht verbringen die Segler einzeln oder in SchwĂ€rmen in Höhen zwischen 400 und 3600 Meterncite-ref-hbvaaaverhbewegung-3-3[3] und sind dabei meist stumm.cite-ref-hbvaaaverhruheputzen-27-3[27]
Zu Beginn der Nacht ist eine Phase mit vermindertem FlĂŒgelschlag zu beobachten, wenn die Vögel nach dem abendlichen Steigflug im Gleitflug allmĂ€hlich wieder an Höhe verlieren. FĂŒr den Rest der Nacht scheinen die Gleitphasen kĂŒrzer als am Tage, was auf die geringere Thermik zurĂŒckzufĂŒhren sein könnte. Diese Beobachtung steht allerdings im Widerspruch zum beobachteten Verhalten des Alpenseglers, bei diesem scheinen die Gleitphasen nachts grundsĂ€tzlich lĂ€nger zu sein.cite-ref-hedenstr-m2016-1-3[1]
Offenbar versuchen die Vögel, möglichst stationĂ€r zu bleiben, und fliegen vergleichsweise langsam gegen den Wind, so dass sie bei stĂ€rkeren Winden sogar rĂŒckwĂ€rtig abgetrieben werden und morgens zurĂŒckfliegen mĂŒssen, um wieder zum Ausgangspunkt zu gelangen. Unklar ist, wie sich Mauersegler nachts erholen, da die Miniaturisierung der zur Forschung erforderlichen TelemetrieausrĂŒstung noch nicht ausreichend ist, um sie fĂŒr Vögel dieser GröĂe zu verwenden. Man vermutet eine Art Halbhirnschlaf, wie er Ă€hnlich von anderen Tierarten bekannt ist.cite-ref-bosch2005kap16-41-0[41]cite-ref-kaiser2003-13-3[13]
Ăber die evolutionĂ€ren Vorteile des NĂ€chtigens in der Luft wird viel spekuliert und diskutiert. Selbst fĂŒr einen so gut an das Leben in der Luft angepassten Vogel stellt die Ăbernachtung im Flug einen betrĂ€chtlichen energetischen Mehraufwand gegenĂŒber der NĂ€chtigung am Boden dar. Sicher ist, dass die Vögel nicht zur nĂ€chtlichen Insektenjagd in der Luft verbleiben, da sie hierfĂŒr nicht ausreichend sehen können. Ein ErklĂ€rungsversuch unterstellt als Ausgangspunkt einen Mangel an geeigneten Schlafgelegenheiten, insbesondere im afrikanischen Winterquartier, wo geeignete Nist- und SchlafplĂ€tze bereits durch 20 andere dort brĂŒtende einheimische Seglerarten beansprucht werden. Dieser Theorie zufolge hat der Mauersegler im ĂŒbertragenen Sinn aus der Not eine Tugend gemacht, denn mit dem Verzicht auf eine bodengebundene Schlafmöglichkeit ist es ihm möglich, dem sich verlagernden gröĂten Nahrungsangebot in der innertropischen Konvergenzzone (siehe auch Wanderungen) konsequent zu folgen.cite-ref-bosch2005kap16-41-1[41]cite-ref-kaiser2003-13-4[13]
AuĂerbrutzeitliche luftgebundene Lebensweise
AuĂerhalb der Brutzeit befinden sich die Mauersegler fĂŒr den Zeitraum von zehn Monaten ĂŒber 99 % der Zeit in der Luft. In Afrika sĂŒdlich der Sahara, wo die Vögel sich wĂ€hrend der nordhemisphĂ€rischen Wintermonate aufhalten, sind bisher keine Schlaf- oder RastplĂ€tze bekannt. Um das Verhalten der Mauersegler auĂerhalb der Brutzeit zu erforschen, wurden einige in SĂŒdschweden brĂŒtende Vögel zwischen 2013 und 2014 mit Bewegungssensoren und Datenloggern versehen. Bei insgesamt 13 Individuen war nach Wiederfang eine Auswertung der Daten möglich, bei 5 davon fĂŒr beide Jahre. FĂŒr einen Mauersegler wurde dabei wĂ€hrend 314 Tagen lediglich eine inaktive Phase von zwei Stunden registriert.
Einige andere Vögel befanden sich wie dieser praktisch ununterbrochen in der Luft, bei manchen wurden allerdings auch sich wiederholende nĂ€chtliche Ruhephasen festgestellt, die jedoch selten lĂ€nger als zwei Stunden dauerten. Da einige Individuen praktisch ohne Flugpausen auskamen und es nur wenige die ganze Nacht andauernde Ruhepausen gab, ist zu vermuten, dass solche Pausen fĂŒr Mauersegler physiologisch nicht notwendig und die wenigen registrierten Pausen möglicherweise auf schlechtes Wetter zurĂŒckzufĂŒhren sind.cite-ref-hedenstr-m2016-1-4[1]
Sozialverhalten
Mauersegler sind das ganze Jahr ĂŒber gesellig und leben zur Brutzeit im Regelfall in Kolonien, in denen viele AktivitĂ€ten synchron erfolgen. Besonders auffallend sind die nur bei gutem Wetter vorwiegend abends zu sehenden sozialen Flugspiele, die sogenannten âScreaming Partiesâ, die von lauten Rufen begleitet werden. Dabei bilden die Vögel einen mehr oder weniger geschlossenen Schwarm, der zeitweilig in groĂer Höhe kreist und wiederholt mit rasanter Geschwindigkeit dicht an den NistplĂ€tzen vorbeifliegt. Daran beteiligen sich alle Vögel der Kolonie, auch die Brutvögel und im SpĂ€tsommer die flĂŒggen Jungen. Bei diesen Flugspielen sind sehr komplexe Flugmanöver zu sehen, teilweise erinnern diese an die BalzflĂŒge. Auf die âScreaming Partiesâ folgt oft unmittelbar der abendliche Steigflug. Besonders intensiv sind die Flugspiele kurz vor dem Wegzug; möglicherweise dienen sie der sozialen Synchronisation.cite-ref-hbvaaaverhsozial-26-2[26]
Bewegung am Boden
Ein Aspekt der extremen Anpassung des Mauerseglers an den Luftraum sind auch die kleinen FĂŒĂe, die sich fĂŒr Bodenlandungen und die Fortbewegung am Boden nicht sonderlich eignen. Am Boden steht er auf den Krallen und Fersengelenken; mit leicht gesenktem Kopf und weit ausholender Bewegung der etwas gespreizten FĂŒĂe vermag der Mauersegler eidechsenartig zu laufen, was einen recht unbeholfenen Eindruck macht. Mittels der vier nach vorn gerichteten Krallen vermögen erwachsene Vögel ausgezeichnet zu klettern. An Zweigen oder Stangen können Mauersegler hĂ€ngen, nicht aber darauf sitzen.
Auch wenn Mauersegler es nach Möglichkeit vermeiden, auf flachem Boden zu landen, können gesunde Tiere entgegen anders lautenden Behauptungen mĂŒhelos vom Boden starten, sofern eine ausreichende freie Strecke fĂŒr den Start vorhanden ist. Mit den FĂŒĂen kann sich der Vogel dabei 30 bis 50 Zentimeter vom Boden hochkatapultieren oder sich nach einem Sprunglauf von 3 bis 5 Schritten in die Luft erheben. Obwohl die Spitzen der Handschwingen bei einem solchen Start den Boden berĂŒhren, stöĂt sich der Mauersegler nie mit den FlĂŒgeln vom Untergrund ab. Insbesondere geschwĂ€chte Tiere klettern auch WĂ€nde und BĂ€ume empor, um sich von dort in den Luftraum fallen lassen zu können.cite-ref-hbvaaaverhbewegung-3-4[3]
Komfortverhalten
Zur Gefiederpflege werden Brust und Schultern sowie die FlĂŒgeldecken bis zur Handmitte im Flug mit dem Schnabel bearbeitet, nötigenfalls wird der betreffende FlĂŒgel kurz angelegt. Das Reinigen der mit dem Schnabel nicht erreichbaren Gefiederteile und das Ordnen der Schwungfedern geschieht durch rasches, alternierendes Vor- und ZurĂŒckziehen der Schwingen entlang der Flanken. Auch der sogenannte âFlattersturzâ, bei dem der Vogel mit den FlĂŒgeln schlagend abwĂ€rts wirbelt, ist offenbar eine Reaktion auf störende Reize im Gefieder, wahrscheinlich dient es auch dem AbschĂŒtteln von Lausfliegen. In der Höhle sitzende Tiere verbringen die meiste Zeit mit Putzhandlungen. Dank der enormen Drehbarkeit des Kopfs werden sĂ€mtliche Körperzonen erreicht. Wirklich alle Gefiederteile â natĂŒrlich mit Ausnahme von Kopf, Hals und Nacken â erreichen Mauersegler aber nur hĂ€ngend.cite-ref-hbvaaaverhruheputzen-27-4[27]cite-ref-bosch2005kap6-38-3[38]
Aggressions- und Feindverhalten
GegenĂŒber unbekannten Artgenossen verhalten sich Mauersegler in der Bruthöhle sehr aggressiv. Der Höhlenbesitzer bewegt sich drohend mit gestreckten und angehobenen FlĂŒgeln auf den Eindringling zu und stellt zudem durch Anheben des zugewandten FlĂŒgels und SeitwĂ€rtskippen des Körpers seine FĂŒĂe als âWaffenâ zur Schau. Reagiert der eindringende Vogel mit dem gleichen Verhalten, kĂ€mpfen die Vögel ineinander verkrallt mit FlĂŒgelschlĂ€gen und Schnabelhieben. Solche heftigen von lauten Rufen begleiteten Auseinandersetzungen dauern inklusive gelegentlicher Unterbrechungen hĂ€ufig ĂŒber 20 Minuten, manchmal sogar 2 bis 5 Stunden. Dabei können auch Eier und Jungvögel aus dem Nest fallen. Die Auseinandersetzungen mit artfremden Nistplatzkonkurrenten wie Star oder Haussperling Ă€hneln intraspezifischen Auseinandersetzungen, nur wird der Gegner in diesem Fall nicht selten verletzt oder getötet.cite-ref-hbvaaaverhaggrfeind-42-0[42]
Bei Erscheinen eines Baumfalken und anderer gröĂerer Greifvögel bilden Mauersegler einen Schwarm, oft auch gemeinsam mit Schwalben. Sie kreisen dann gemeinschaftlich ĂŒber und hinter dem Angreifer und schrauben sich wie dieser in die Höhe. Gelegentlich erfolgen vermutlich auch Scheinangriffe. Entfernt sich der Feind, wird er noch eine Weile verfolgt. Unter normalen Bedingungen gelingt es Greifvögeln wohl nur in AusnahmefĂ€llen, einen Mauersegler aus dem Schwarm zu erbeuten.cite-ref-hbvaaaverhaggrfeind-42-1[42]
Bestand und Bestandsentwicklung
Der Mauersegler, der 2021 auf die Vorwarnstufe der roten Liste der bedrohten Arten versetzt werden musste, wurde im Jahr 2003 in Deutschland und Ăsterreich zum Vogel des Jahres gewĂ€hlt,cite-ref-nabu2003-43-0[43] in der Schweiz war er dies im Jahr 2005.cite-ref-birdlife-ch-2005-44-0[44] Der Mauersegler sollte dabei als SympathietrĂ€ger auf die Probleme seines Lebensraums aufmerksam machen, stellvertretend auch fĂŒr andere gebĂ€udebrĂŒtende Arten.cite-ref-bosch2005kap9-18-1[18]
Der europĂ€ische Bestand wurde 1997 auf 4,0 bis 4,9 Millionen Vögel geschĂ€tztcite-ref-hagemeijerblair1997-45-0[45], die weltweite Population soll aus ungefĂ€hr 25 Millionen Individuen bestanden haben. Bei diesen Bestandszahlen handelt es sich aber um inzwischen veraltete, grobe SchĂ€tzwerte, da diese in den einzelnen Gebieten meist aus der maximalen Zahl fliegender Individuen abgeleitet werden und verlĂ€ssliche Angaben fĂŒr gröĂere Gebiete kaum vorliegen. Dies zeigt sich auch daran, dass die von BirdLife International veröffentlichten Zahlen fĂŒr den europĂ€ischen Bestand im Jahr 2000 mehr als dreimal so hochcite-ref-birdsineurope-46-0[46] waren wie die oben genannten, die 1997 von Boano und Delov veröffentlicht wurden.cite-ref-chantlerdriessens2000commonswift-5-5[5]cite-ref-hbvaaasiedlungsdichte-47-0[47] Ging man fĂŒr das 20. Jahrhundert noch von einer Zunahme der Populationen aus, wird fĂŒr das 21. Jahrhundert ein europaweiter RĂŒckgang der Art festgestellt. In GroĂbritannien, das ĂŒber die lĂ€ngsten systematischen ZĂ€hlungen von Brutpaaren verfĂŒgt, wurde zwischen 1995 und 2020 ein RĂŒckgang der Brutpopulation von bis zu 60 % dokumentiert.cite-ref-48[48] Als GrĂŒnde fĂŒr die europaweiten Verluste werden der teils rasante RĂŒckgang von Nistgelegenheiten in Siedlungen, das dramatische Insektensterben in Europa, aber auch dem Klimawandel geschuldete Extremhitze-Perioden in den Brutgebieten sowie die anhaltende DĂŒrre respektive Unwetterperioden in den Winteraufenthaltsgebieten in Afrika genannt.cite-ref-49[49]cite-ref-50[50]
Die vom Naturschutzbund Deutschland durchgefĂŒhrte Aktion âStunde der Gartenvögelâ wies fĂŒr Berlin 2022 doppelt so viele Beobachtungen wie im Jahr zuvor aus. In den ausgewerteten Zahlen dĂŒrfte sich unter anderem auch die erhöhte Aufmerksamkeit der aufgerufenen Bevölkerung fĂŒr die unter dem RĂŒckgang von Nistgelegenheiten und artenreichen GrĂŒnflĂ€chen leidenden GebĂ€udebrĂŒter abzeichnen.cite-ref-51[51] Auch am Bodensee und in Vorarlberg wurde per Mitte Mai 2018 ein deutlich geringeres Auftreten von Mauerseglern als in den acht Jahren davor beobachtet.cite-ref-52[52]
Systematik
FĂŒr den Mauersegler werden zwei Unterarten unterschieden: Neben der Nominatform Apus apus apus ist dies Apus apus pekinensis. Letztere unterscheidet sich von der Nominatform vor allem durch ein brĂ€unlicheres Gefieder, die FlĂŒgel und besonders die Armschwingen wirken zudem graubraun. Die Stirn ist brĂ€unlichgrau und von der ĂŒbrigen Oberseite deutlich abgesetzt, das WeiĂ der Kehle ist reiner und ausgedehnter. A. a. pekinensis besiedelt vom Iran ausgehend die östlichen Teile des Verbreitungsgebiets, das Winterquartier liegt in der und um die Kalahari-WĂŒste.cite-ref-hbvaarassen-54-0[54]
Mauersegler und Mensch
Etymologie und Benennung
Im Volksmund werden sie in Deutschland auch Spirschwalbe, in der Schweiz, im Elsass oder in Tirol wie schon im Mittelhochdeutschen auch Spire oder Spyr genannt. Die Etymologie des Wortes ist unklar, vorgeschlagen werden erstens ein eigenstĂ€ndiges Etymon, zweitens Verwandtschaft mit norddeutsch Spier(e) âSpitze, Rundholz, Stangeâ und damit Bezugnahme auf die langen spitzen FlĂŒgel der Vögel und drittens eine lautmalerische Bezugnahme auf die charakteristischen Rufe.cite-ref-56[56] Aus vielen weiteren regional ĂŒblichen Bezeichnungen wie Turmschwalbe, Mauerschwalbe, Kirchschwalbe oder Quieckschwalbe wird deutlich, dass man frĂŒher Mauersegler den Schwalben zurechnete (vergleiche schwedisch tornsvala zeigt).cite-ref-bosch2005kap3-6-3[6]cite-ref-suolahti1909-57-0[57] Im romanischen Sprachraum der Surselva steht die Aussichtsplattform Il spir, welche nach dem lokalen romanischen Namen des Mauerseglers benannt ist. Im ebenfalls romanischsprachigen Engadin heiĂt der Vogel radurel pitschen.cite-ref-pledarigrond-ch-58-0[58]
In der Naturalis historia werden die Segler Apoda genannt. Diese und auch die durch Carl von LinnĂ© fĂŒr die Gattung und Art eingefĂŒhrte wissenschaftliche Bezeichnung Apus leitet sich aus dem Griechischen her: ÎŹÏÎżÏ
Ï (ĂĄpus) bedeutet âohne FĂŒĂeâ â tatsĂ€chlich sind die Beine sehr kurz und wĂ€hrend des Fluges tief im Gefieder verborgen und somit unsichtbar.cite-ref-gory2005-35-1[35]
Legenden
Obwohl Mauersegler in StĂ€dten und kleinen Ortschaften schon lange Zeit zu Hause sind, haben sie keine besondere Aufmerksamkeit seitens der Bevölkerung erhalten; es gibt vergleichsweise wenige Hinweise auf mythische Eigenschaften dieser Vögel. In einigen Gegenden Englands standen die Mauersegler im Ruf, âTeufelsvögelâ zu sein (âdevil birdsâ oder âscreech devilsâ). Ihr plötzliches Auftreten zu Beginn des Sommers, zusammen mit dem schwarzen Gefieder und dem lauten Geschrei, war den Menschen unheimlich. Im Gegensatz dazu bewerteten die Tiroler die Mauersegler positiv, denn dort galten sie als GlĂŒcksbringer und schlĂŒpften in die Rolle, die in Deutschland Rauch- und Mehlschwalben zugedacht war. Von Plinius ist auch eine Nutzanwendung aus der Volksmedizin ĂŒberliefertcite-ref-plinius-59-0[59], und zwar sollte Bauchgrimmen mit in Wein eingelegten Mauerseglern therapiert werden können.cite-ref-bosch2005kap3-6-4[6]
Nisthilfen
FrĂŒher bewohnten Mauersegler HohlrĂ€ume in GebĂ€uden, die sich frĂŒher vielfach bei der Konstruktion des Dachstuhls ergaben. Die NistplĂ€tze konnten in der Regel nur beim Ein- und Ausflug der Vögel entdeckt werden, da den Vögeln ein schmaler Schlitz zum Einflug genĂŒgt. Zur Herstellung einer luftdichten GebĂ€udehĂŒlle werden moderne DĂ€cher meist hermetisch abgeschlossen. LĂŒftungsöffnungen werden mit Gittern und NetzbĂ€ndern vor dem Eintritt von Tieren geschĂŒtzt. Dadurch reduzieren sich die Nistmöglichkeiten fĂŒr HöhlenbrĂŒter drastisch.cite-ref-60[60]
Beim Neubau oder der Sanierung von GebĂ€uden ist es einfach möglich, Nistmöglichkeiten fĂŒr Mauersegler zu schaffen.cite-ref-61[61] Zimmerleute oder Dachdecker können Traufbretter oder Dachkasten mit Langlöchern von etwa 33 Ă 60 mm GröĂe versehen, die nur Mauerseglern und Meisen den Einflug erlauben. Bohrungen mit 50 mm Durchmesser erlauben auch dem Haussperling die Nutzung. Es sind auch fertige BrutkĂ€sten erhĂ€ltlich, die statt eines Mauersteins in die Wand gesetzt oder in die DĂ€mmebene integriert werden. Nach dem Verputzen der Wand sind die Einflugöffnungen kaum noch zu erkennen. Im Gegensatz zu Schwalben, welche ihre Nester aus LehmklĂŒmpchen herstellen, verschmutzen Mauersegler die Fassade nicht. Durch die nur 40 Gramm schweren Mauersegler fallen keine nennenswerten Mengen an Kot an. Eine regelmĂ€Ăige Reinigung der zum BrĂŒten genutzten HohlrĂ€ume ist nicht notwendig.cite-ref-62[62]
Menschliche Verfolgung
Das Amtsgericht Olpe verurteilte im MĂ€rz 2022 einen Mann zu einem Jahr und zwei Monaten GefĂ€ngnis ohne BewĂ€hrung, weil er im Juli 2021 in einem Pfeiler der BiggeseebrĂŒcke Ronnewinkel der BundesstraĂe 54 16 Mauersegler mit einer Holzlatte erschlug; dort lief ein Forschungsprojekt der Uni Siegen.cite-ref-63[63]cite-ref-64[64]
Literatur
âą Urs N. Glutz von Blotzheim (Hrsg.): Handbuch der Vögel Mitteleuropas (HBV). Band 9: Columbiformes â Piciformes. AULA-Verlag, Wiesbaden 1994, ISBN 3-89104-562-X.
âą Phil Chantler, Gerald Driessens: Swifts â A Guide to the Swifts and Tree Swifts of the World. Pica Press, Mountfield 2000, ISBN 1-873403-83-6.
âą Stefan Bosch: Segler am Sommerhimmel: Bemerkungen ĂŒber Mauersegler. NiebĂŒhl 2003, ISBN 3-89906-463-1.
âą David Lack: Swifts in a Tower. Chapman & Hall, 1973, ISBN 0-412-12170-0.
âą Jochen Hölzinger, Ulrich Mahler: Die Vögel Baden-WĂŒrttembergs: Nicht-Singvögel. Band 3, Ulmer Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3908-1, S. 305â318.
âą Emil Weitnauer: Mein Vogel: Aus dem Leben des Mauerseglers Apus apus. 1980, 6. Auflage 2005.
âą GĂ©rard Gory: Mauersegler: Leben im Flug. Spektrum der Wissenschaft, April 2005, ISSN 0170-2971, S. 28â32.
Weblinks
Commons
: Mauersegler
â Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Mauersegler
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Literatur von und ĂŒber Mauersegler im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⹠Apus apus in der Roten Liste gefÀhrdeter Arten der IUCN 2008. Eingestellt von: BirdLife International, 2008. Abgerufen am 31. Januar 2009.
âą Mauersegler (Apus apus) auf eBird.org
âą Internationale Seite ĂŒber den Mauersegler
âą Deutsche Gesellschaft fĂŒr Mauersegler: Fundvogel
âą Informationen und Audio zum Mauersegler
âą Private Mauerseglerseite aus Berlin
âą Mauersegler-Seite mit Webcam
âą Nistkastenkamera in einer Kolonie in Halle
âą Javier Blasco-Zumeta, Gerd-Michael Heinze: Geschlechts- und Altersbestimmung (PDF-Datei, englisch)
âą Federn des Mauerseglers
Einzelnachweise
cite-note-hedenstr-m2016-11. â Hedenström et al.: Annual 10-Month Aerial Life Phase in the Common Swift Apus apus. In: Current Biology. 2016, doi:10.1016/j.cub.2016.09.014
cite-note-hbvaaawanderungen-22. â HBV Band 9: A. a. apus, Wanderungen. S. 680â686, siehe Literatur
cite-note-hbvaaaverhbewegung-33. â HBV Band 9: A. a. apus, Verhalten: Bewegung. S. 697 ff., siehe Literatur
cite-note-hbvaaabschreibung-44. â HBV Band 9: A. a. apus, Feldkennzeichen, Beschreibung. S. 671â676, siehe Literatur
cite-note-chantlerdriessens2000commonswift-55. â Chantler, Driessens: A Guide to the Swifts and Tree Swifts of the World. S. 221â224, siehe Literatur
cite-note-bosch2005kap3-66. â Stefan Bosch: Segler am Sommerhimmel. S. 8â15, siehe Literatur
cite-note-hbvaaamauser-77. â HBV Band 9: A. a. apus, Mauser. S. 676 f., siehe Literatur
cite-note-bosch2005kap5-88. â Stefan Bosch: Segler am Sommerhimmel. S. 22 f., siehe Literatur
cite-note-lentink2007-1010. â David Lentink et al.: How swifts control their glide performance with morphing wings. In: Nature. 446, 1082â1085, April 2007, doi:10.1038/nature05733
cite-note-hbvaaastimme-1111. â HBV Band 9: A. a. apus, Stimme. S. 677f, siehe Literatur
cite-note-bosch2005kap11-1212. â Stefan Bosch: Segler am Sommerhimmel. S. 61â66, siehe Literatur
cite-note-hbvaaverbreitung-1414. â HBV Band 9: A. apus. Verbreitung der Art. S. 671, siehe Literatur
cite-note-hbvaaabrutgebiet-1515. â HBV Band 9: A. a. apus, Brutgebiet, Verbreitung in Mitteleuropa. S. 678 f., siehe Literatur
cite-note-h-lzingermahler-161. Hölzinger, Mahler: Die Vögel Baden-WĂŒrttembergs. siehe Literatur
cite-note-hbvaaabiotop-1717. â HBV Band 9: A. a. apus, Biotop. S. 686 f., siehe Literatur
cite-note-bosch2005kap9-1818. â Stefan Bosch: Segler am Sommerhimmel. S. 41â51, siehe Literatur
cite-note-msforumbaum-1919. â Mauersegler-Forum. Abgerufen am 24. November 2023.
cite-note-bosch2005kap10-2020. â Stefan Bosch: Segler am Sommerhimmel. S. 53â60, siehe Literatur
cite-note-bruderer1999-2121. â Brunno Bruderer: Three decades of tracking radar studies on bird migration in Europe and the Middle East. In: Y. Leshem et al.: Proceedings International Seminar on Birds and Flight Safety in the Middle East. S. 107â141, Tel-Aviv 1999 (online)
cite-note-tigges2007-2222. â Ulrich Tigges: The Phenology of the Common Swift Apus apus in Eurasia and the Problem of Defining the Duration of their Stay, in: Podoces, 2007, 2(2) S. 127â140
cite-note-hbvaaanahrung-2323. â HBV Band 9: A. a. apus, Nahrung. S. 709f, siehe Literatur
cite-note-hbvaaahbvaaaverhnahrungserw-2424. â HBV Band 9: A. a. apus, Verhalten: Nahrungserwerb. S. 701 f., siehe Literatur
cite-note-bosch2005kap7-2525. â Stefan Bosch: Segler am Sommerhimmel. S. 29â35, siehe Literatur
cite-note-hbvaaaverhsozial-2626. â HBV Band 9: A. a. apus, Verhalten: Sozialverhalten. S. 702 ff., siehe Literatur
cite-note-hbvaaaverhruheputzen-2727. â HBV Band 9: A. a. apus, Verhalten: Ruhe, Putzen. S. 699 ff., siehe Literatur
cite-note-hbvaaafortpflanzung-2828. â HBV Band 9: A. a. apus, Fortpflanzung. S. 688â693, siehe Literatur
cite-note-hbvaaabestand-2929. â HBV Band 9: A. a. apus, Bestand, Bestandsentwicklung. S. 679, siehe Literatur
cite-note-3030. â vgl. Konrad Lorenz: Beobachtungen an Dohlen. Band 75, Nr. 4. Journal fĂŒr Ornithologie, 1927, S. 512 (klha.at [PDF; 142 kB; abgerufen am 16. Juli 2017]).
cite-note-hbvaaaverhsex-3131. â HBV Band 9: A. a. apus, Verhalten: Sexualverhalten. S. 704 f., siehe Literatur
cite-note-chantlerdriessens2000mateselection-3232. â Chantler, Driessens: A Guide to the Swifts and Tree Swifts of the World. S. 27, siehe Literatur
cite-note-martins2002-3333. â Thais L. F. Martins: Low incidence of extra-pair paternity in the colonially-nesting swift (Apus apus) revealed by DNA fingerprinting. In: Journal of Avian Biology. 33:441â446 (Uncorrected Proof (Memento vom 31. Oktober 2008 im Internet Archive))
cite-note-hbvaaaverhbrutpflege-3434. â HBV Band 9: A. a. apus, Verhalten: Brutpflege, Aufzucht und Verhalten der Jungen. S. 707 ff., siehe Literatur
cite-note-gory2005-3535. â GĂ©rard Gory: Mauersegler â Leben im Flug. siehe Literatur
cite-note-wright2006-3636. â J. Wright, S. Markman, S. M. Denney: Facultative adjustment of pre-fledging mass loss by nestling swifts preparing for flight. In: Proceedings. Biological sciences / The Royal Society. Band 273, Nummer 1596, August 2006, S. 1895â1900, ISSN 0962-8452, doi:10.1098/rspb.2006.3533, PMID 16822749, PMC 1634777 (freier Volltext)
cite-note-hbvaaabrutsterbalt-3737. â HBV Band 9: A. a. apus, Bruterfolg, Sterblichkeit, Alter. S. 693â696, siehe Literatur
cite-note-bosch2005kap6-3838. â Stefan Bosch: Segler am Sommerhimmel. S. 25â28, siehe Literatur
cite-note-hbvaaaverhaktivit-t-3939. â HBV Band 9: A. a. apus, Verhalten: AktivitĂ€t. S. 696 f., siehe Literatur
cite-note-dokter2013-4040. â Adriaan M. Dokter, Susanne Ă
kesson, Hans Beekhuis, Willem Bouten, Luit Buurma, Hans van Gasteren, Iwan Holleman: Twilight ascents by common swifts, Apus apus, at dawn and dusk: acquisition of orientation cues? In: Animal Behavior. Band 85, S. 545â552, doi:10.1016/j.anbehav.2012.12.006
cite-note-bosch2005kap16-4141. â Stefan Bosch: Segler am Sommerhimmel. S. 81â88, siehe Literatur
cite-note-hbvaaaverhaggrfeind-4242. â HBV Band 9: A. a. apus, Verhalten: Aggressivverhalten, Feindverhalten. S. 705ff, siehe Literatur
cite-note-nabu2003-4343. â Vogel des Jahres (Deutschland): 2003
cite-note-birdlife-ch-2005-4444. â Vogel des Jahres (Schweiz): 2005
cite-note-hagemeijerblair1997-4545. â E. J. M. Hagemeijer, M. J. Blair (eds.): The EBCC Atlas of European Breeding Birds: Their Distribution and Abundance. T & AD Poyser, London 1997
cite-note-birdsineurope-4646. â BirdLife International: Birds in Europe (2004) â Bestandsentwicklung und Status â Apus apus (PDF)
cite-note-hbvaaasiedlungsdichte-4747. â HBV Band 9: A. a. apus, Siedlungsdichte. S. 687 f., siehe Literatur
cite-note-4848. â British Trust for Ornithology: Swift. 3. Februar 2014, abgerufen am 20. MĂ€rz 2023 (englisch).
cite-note-4949. â @NatGeoDeutschland: Insektensterben: Warum die Artenvielfalt sogar in Schutzgebieten abnimmt. 10. Mai 2022, abgerufen am 20. MĂ€rz 2023.
cite-note-5252. â Wo sind die Mauersegler? orf.at, 17. Mai 2018, abgerufen am 17. Mai 2018. â Vogelwarte Radolfzell
cite-note-bosch2005kap4-5353. â Stefan Bosch: Segler am Sommerhimmel. S. 17â21, siehe Literatur
cite-note-hbvaarassen-5454. â HBV Band 9: A. apus. Rassengliederung. S. 671, siehe Literatur
cite-note-baumung2002-5555. â Sven Baumung: Der Mauersegler: Vogel des Jahres 2003. NABU Deutschland (Hrsg.), Bonn 2002
cite-note-5656. â Vgl. Deutsches Wörterbuch, Band X, Spalten 2432â2434 (online); Schweizerisches Idiotikon, Band X, Spalten 448â451 (online); Johannes Franck: Franckâs Etymologisch Woordenboek der Nederlandsche Taal. 2. Auflage. Nijhoff, âs-Gravenhage 1912, S. 644.
cite-note-suolahti1909-5757. â Hugo Suolahti: Die deutschen Vogelnamen. Eine wortgeschichtliche Untersuchung. 1909 (Auszug)
cite-note-pledarigrond-ch-5858. â PLEDARI GROND. Abgerufen am 30. Juli 2018 (rĂ€toromanisch).
cite-note-6060. â Katrin Koch, Jens Scharon: Naturschutz am Haus, BroschĂŒre des Naturschutzbund Deutschland (NABU) e. V., Landesverband Berlin, www.berlin.nabu.de
cite-note-6161. â Klaus Roggel: Aktiver Umweltschutz â Faszinierende Erfahrungen mit Mauerseglern â Wollen Sie nicht auch mitmachen?
cite-note-6262. â Klaus Roggel: EinbaunistkĂ€sten an Fassaden aus Mauerwerk, Putz und WĂ€rmedĂ€mmung (WDVS)
cite-note-6363. â Mauersegler erschlagen - Mann muss ins GefĂ€ngnis, WDR, 22. MĂ€rz 2022 (Memento vom 24. Dezember 2022 im Internet Archive)
cite-note-6464. â Olpe: 36 jĂ€hriger tötet Mauersegler und muss ins GefĂ€ngnisWP 22. MĂ€rz 2022, abgerufen am 27. MĂ€rz 2022